Geister, die uns das Fürchten lehren.

 

 

Als kleine Kinder, waren uns Geister-Geschichten willkommen. Vor dem Schlafengehen oder zwischendurch. Vorgelesen von den Eltern oder den Großeltern. Denn in den Büchern vertreiben die Guten immer die bösen Geister. Eine heile Welt. Neuerdings gibt es Geister, die uns Erwachsenen Furcht einflößen. Es sind böse Geister.

 

Sie können sich ungezügelt ausbreiten, Erst haben diese bösen Geister die ersten Erwachsenen, sprich, kleinen Arbeitnehmer erwischt. Jetzt bemächtigen sie sich den Höhergestellten. Ingenieure, Techniker, Fachkräfte nicht nur aus den unteren Abteilungen. Die Rede ist hier von dem Verlust des Arbeitsplatzes. Zur Zeit des kalten Krieges, als die Globalisierung noch nicht ganz entfesselt war, haben die Menschen einen Beruf erlernt. Sie haben diesen Beruf, meistens bis zu ihrer gesicherten Rente ausgeübt. Alle Beteiligten am Arbeitsprozess, konnten lange im Voraus planen. Alle, die Arbeitnehmer, auch die Konzerne haben gut verdient, ganz gleich welcher Branche sie angehörten. Mit dem Wegbrechen des Ostblocks, wurde der Globalisierung Tür und Tor geöffnet. Das westliche System durfte sich seiner sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen entledigen. Die Arbeitnehmer mussten es zur Kenntnis nehmen, dass es einzig nach den Vorgaben der etablierten Parteien und den Konzernen geht. Jetzt rächt sich die Achtlosigkeit des Proletariats sprich der Arbeitnehmer.

Man ließ es zu, dass Gewerkschaftsvertreter und Betriebsratsvorsitzende, also die Interessenvertreter der Arbeiter, gleichzeitig in den Vorständen der Konzerne gesessen haben und noch sitzen, während Millionen Arbeitnehmer in Harz IV und Sozialhilfe gepresst wurden, und noch werden. Das globale Karussell dreht sich immer schneller. Es hat jetzt auch diejenigen erfasst, die sich immer sicher fühlten. Die höher gestellten Arbeitnehmer in den Chefetagen. Auch sie haben ihr Leben eingerichtet. Teure Immobilien, Verpflichtungen und Hobbys, die einen hohen und ausgeglichenen Verdienst über einen längeren Zeitraum erfordern. Auch sie werden von der Entlassungswelle erfasst. Zuerst geht ein Gespenst um. Von Entlassungen ist die Rede. 3000 Stellen werden genannt. Betriebsräte dementieren, und sprechen gleichzeitig von „sozialer Abfederung“, für die sie sich einsetzen wollen. Das Gespenst lässt sich nicht vertreiben. Es wird gemunkelt 6000, hinter vorgehaltener Hand werden 8000 genannt. Auch über 10.000 kursieren Gerüchte. Während die Konzerne schwarze Zahlen schreiben und ihre Produktion ins Ausland verlagern, rutscht ein Großteil der Opfer in Harz IV ab. Ein kleiner Teil findet eine neue Beschäftigung. Meistens mit Lohnabzug. Wo solche Massenentlassungen stattfinden, werden auch höher gestellte Arbeitnehmer in der Regel nicht mehr gebraucht.

 

Aber ein neues, unbekanntes Gefühl beschleicht fortan diese Beschäftigungsgruppen. Es beginnt vielleicht mit einem Knack im Hinterkopf, einem Riss ins Herz, gefolgt von Magengeschwüren und Medikamentenabhängigkeit bis ans Lebensende. Es ist der Gedanke, ebenfalls in Harz IV abzurutschen und die sauerverdienten Reserven der Sozialhilfe zu opfern. Denken wir an große Konzerne wie VW, die Schiffbauindustrie, Lufthansa, zuletzt Siemens. Wer dort beschäftigt war, fühlte sich sicher wie in einem Haus mit steinernen Wänden, aus dem man nun in hohen Bogen herausgeschleudert wird. Der Einsatz für den Konzern, manchmal gepaart mit Verrat an der eigenen Klasse der Arbeitnehmer, wird auf diese Weise honoriert. Jetzt erst begreifen einige Betroffene was geschieht und, dass die vor ihnen Entlassenen in Harz IV, ihnen nur einen Schritt voraus sind. Viele dieser Harz IV Empfänger und auch solche die noch in Arbeit stehen, haben in der „Wohlstands“ BRD ihre Klasse vergessen. Die Klasse des Proletariats. Sie sollten sich jetzt erinnern, dass es sie noch gibt. Ihre Kraft, ihre Ausdauer, ihre Redlichkeit, ihre Ehrlichkeit und ihr Fachwissen! Ich kann hier nur mit einem Satz enden: Arbeiter und Deutsche vereinigt euch, setzt euch zur Wehr unter dem Motto: Wir sind keine Bettler.

 

 

 

 

Rudolf Rosenthal

Stellvertreter im KV

Hohenwestedt den 22.03.2013


 
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