02.07.2009
Podiumsdiskussion: "Moderne Nazis"
„Rechtsextremismus-Experte" hält es für unglücklich, die NPD als „rechts-extremistisch" zu bezeichnen.
Kiel, den 5. Juni 2007 - Die SPD-Landtagsfraktion hat zu einer
Gesprächsrunde ins Kieler Landeshaus eingeladen. Die Veranstaltung
fand im Schleswig-Holstein-Saal statt. Thema: „Moderne Nazis - auch in
Schleswig-Holstein?" Im Podium saßen neben anderen der Leiter des
Verfassungsschutzes in Schleswig-Holstein Horst Eger und der Buchautor
Toralf Staud als vermeintlicher Experte für „Rechtsextremismus".
Getreu dem Motto „Gesicht zeigen für Deutschland" nahmen mehrere
Funktionäre der NPD an der Veranstaltung teil. Obwohl einige der
nationalen Aktivisten bereits vor Beginn der Veranstaltung
wiedererkannt wurden, ließ man sie zu Wort kommen. Die Veranstalter
bewiesen damit immerhin soviel Mut, sich bedingt den Aussagen und
Argumenten von national denkenden Menschen zu stellen.
Die Einleitungsrede wurde von Herrn Lothar Hay (SPD) gehalten. Als
erster Redner las Herr Horst Eger Teile aus dem aktuellen Bericht des
Verfassungsschutzes vor; im wesentlichen wiederholte er Platitüden des
Berichts. Es folgte der Vortrag von Herrn Toralf Staud über seine
Einschätzung des „Rechtsextremismus" - eine erstaunlich sachliche
Darstellung der nationalen Bewegung in der BRD. Staud hält die
Begriffe „rechts" oder „rechts-extremistisch" in Verbindung mit der
NPD für unglücklich. Die Begriffe „rechts" oder „links" machten
außerhalb des etablierten Parteienspektrums wenig Sinn; laut Staud
träfe für die NPD die Bezeichnung „völkisch" am genauesten das Wesen
der Partei.
Herr Rother (SPD) erhielt das Wort und betonte in seiner untadeligen
demokratischen Gesinnung, daß er ein Verbot der NPD für richtig hält,
um den „braunen Rattenfängern" die Grundlagen zu entziehen. Weiterhin
erläuterte er, daß natürlich nicht alle national denkenden Menschen
einen „Gendefekt" hätten......
Ingo Stawitz (NPD) stellte zunächst einmal richtig, daß Patrioten und
national denkende Personen, Menschen und keine Ratten seien. Er wies
darauf hin, daß die NPD eine demokratische Partei sei, und zitierte
den Staatsrechtler Prof. Hans Herbert von Arnim und den ehemaligen
Bundespräsidenten Roman Herzog, die beide erhebliche Demokratie-defizite
in der BRD ausgemacht und kritisiert haben.
Immerhin: In seiner Gegenrede distanzierte sich Herr Staud von Rothers
Begriff der „braunen Rattenfänger".
Jens Lütke (NPD) bezog Stellung zu dem Vorwurf der Gewalt, die
angeblich fast immer nur von nationalen Kräften ausgehe. Er warf
staatlichen Stellen vor, mit dem Gewaltargument Demonstrationen der
NPD zu behindern, aber gleichzeitig linke Gewalttäter, wie jetzt in
Rostock im Rahmen des G8-Gipfels gewähren zu lassen. Weiterhin stellte
er richtig, daß in keinem Programm der NPD der demokratische Grundsatz
bei der politischen Entscheidungsfindung in Frage gestellt würde.
Ein Herr Martens meldete sich zu Wort und stellte sich als Richter am
Amtsgericht in Neumünster vor. Er schilderte, daß er früher als
Staatsanwalt tätig gewesen wäre und schwerpunktmäßig mit dem
Rechtsextremismus zu tun gehabt hätte. Ferner legte Herr Martens mit
offensichtlichem Bedauern dar, daß er ständig auf rechtsextreme Täter
warten würde, jedoch keine kämen! An dieser Stelle möchten wir Richter
Martens gegenüber unserem tief empfundenen Mitgefühl über seine
Warterei Ausdruck verleihen. Wohl dem Staat, dessen Richter derartig
die rechtsstaatlichen Grundsätze verinnerlicht haben.
Natürlich durfte auch ein Vertreter des „Runden Tisches gegen
Rassismus und Faschismus Kiel" nicht fehlen. Dieser Herr beteuerte,
man müsse den Nazis an jedem Tag und bei jeder Gelegenheit mit
Argumenten entgegentreten. Ergänzend fügte er hinzu, notfalls müßten
auch „andere Mittel" eingesetzt werden! Ob er dabei an linke
Gewaltausbrüche denkt, wie jetzt in Rostock, wissen wir nicht.
NPD Landesvorsitzende Uwe Schäfer bezog Stellung zu verschiedenen
politischen Inhalten. Er bedankte sich bei Herrn Staud für den
sachlichen Vortrag und lobte ausdrücklich die Außenpolitik des
ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, dessen besonderes
Verdienst es gewesen wäre, Deutschland aus dem Irak-Krieg
herauszuhalten. Herr Schäfer legte Grundsätze der NPD dar, die die
sich am Grundgesetz orientiere und zum Rechtsstaat bekenne.
Immerhin versuchten die Veranstalter den Schein einer offenen und
chancengleichen Diskussion zu wahren. Das ist mehr, als die meisten
aus dem nationalen Lager bisher von den sogenannten etablierten
Parteien erlebt hatten. Der Teufel lag natürlich auch hier im Detail,
bei Vertretern der nationalen Opposition wurde erheblich genauer auf
die Einhaltung der Redezeiten geachtet als bei systemkonformen
Äußerungen und erneute Wortmeldungen von erkannten Nationalisten
wurden nicht beachtet - auch nicht zur Gegenrede.
In den Schlußworten machte der Diskussionsleiter deutlich, daß man
auch die NPD im Wettbewerb um die Gunst der Wähler gewähren lassen
müsse und zitierte aus dem Grundgesetz: Art. 21 Abs.1 Satz 1 „Die
Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit."
Damit ist die NPD einverstanden!
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